Familie Schumann hatte alles im Griff — zumindest glaubten sie das. Lea und ihr Mann Thomas lebten seit drei Jahren in der Bay Area, ihre zwei Kinder waren sechs und neun, und mit ihrem Au-pair-Programm liefen sie das zweite Jahr ohne Probleme. Dann rief Leas Kollegin an: „Habt ihr gehört, dass sich die Regeln geändert haben? Die Agentur hat mir etwas von neuen Stundenobergrenzen geschickt."
Lea hatte nichts gehört. Und wenn sie ehrlich ist: Sie hatte auch aufgehört, die Rundmails ihrer Agentur zu lesen, weil sie meist unveränderte AGB-Updates waren. Aber jetzt, mit einem neuen Au-pair, das in sechs Wochen einreisen sollte, war plötzlich wichtig, was sie übersehen hatte.
Was die Schumanns entdeckten — nach einigen anstrengenden Stunden mit Behördenseiten, Agentur-PDFs und Forenbeiträgen —, hätte in einem einzigen übersichtlichen Artikel stehen können. Dieser Artikel ist genau das.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag spiegelt die Programmbedingungen des J-1-Au-pair-Programms stand April 2026. Überprüfe aktuelle Anforderungen immer mit deiner Agentur oder beim U.S. Department of State.
Wer das J-1-Programm kontrolliert — und warum das wichtig ist
Das J-1-Au-pair-Programm wird vom U.S. Department of State, Bureau of Educational and Cultural Affairs (ECA), geregelt. Das State Department setzt die Rahmenbedingungen: maximale Arbeitsstunden, Mindest-Taschengeld, Urlaubsanspruch, Bildungsvoraussetzungen und Visaregeln. Agenturen wie Cultural Care, Au Pair in America oder AuPairUSA setzen diese Regeln um — aber sie erfinden sie nicht.
Das bedeutet für dich als Gastfamilie: Die Compliance liegt letztlich bei dir, nicht bei der Agentur. Wenn dein Au-pair mehr als die erlaubten Stunden arbeitet, ist das deine Pflichtverletzung.
Wen die Änderungen betreffen
Die Änderungen seit 2025 betreffen vor allem:
- Gastfamilien, die sich gerade für den Sommer oder Herbst 2026 bewerben
- Familien, deren Au-pair seit Juli 2025 eingereist ist
- Au-pairs, die jetzt einen J-1-Antrag stellen oder verlängern
Wenn dein Au-pair schon vor Juli 2025 angekommen ist und das Programmjahr läuft, bleibt euer bestehender Vertrag weitgehend gültig — aber das Taschengeld solltest du trotzdem gegen den aktuellen Mindestlohn in deinem Bundesstaat prüfen.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
1. Die Visa Integrity Fee von $250
Die konkreteste Änderung seit 2025: das State Department hat eine Visa Integrity Fee von $250 eingeführt, die seit dem 31. Juli 2025 gilt.
Jedes Au-pair, das einen J-1-Antrag stellt, zahlt diese Gebühr direkt an die US-Regierung. Sie ist getrennt von der SEVIS-Gebühr ($220), getrennt von der Agenturgebühr und nicht erstattungsfähig.
Warum so viele Familien das verschlafen haben: Die Gebühr zahlt das Au-pair — nicht die Gastfamilie. Aber in der Gesamtkalkulation des Programms spielt sie eine Rolle, und viele Agenturen haben ihre Kostenpläne nach der Einführung nur langsam aktualisiert. Wenn du ein Angebot vor Mitte 2025 erhalten hast, enthält es diese Gebühr wahrscheinlich nicht.
Was du jetzt tun solltest:
- Lass dir von deiner Agentur eine aktuelle Kostenschätzung geben — mit der Visa Integrity Fee
- Wenn du deinem Au-pair bei den Visakosten hilfst, passe den Betrag entsprechend an
- Bestätige vor dem Visamtermin, dass dein Au-pair die Gebühr bezahlt hat — ohne Bezahlung gibt es Verzögerungen
Merkpunkt: Rechne mindestens
$250mehr in dein Gesamtbudget ein. Die Gebühr ist kein optionaler Posten.
2. Taschengeld: Was Bundesstaaten mit eigenem Mindestlohn bedeuten
Das Taschengeld im J-1-Programm wird nach einer Formel berechnet:
wöchentliches Taschengeld = 45 Stunden × Mindestlohn × 0,4054
Beim bundesweiten Mindestlohn von $7,25/Stunde ergibt das den bekannten Richtwert von $195,75 pro Woche — eine Zahl, die sich seit Jahren kaum verändert hat.
Das Problem: Viele Bundesstaaten haben deutlich höhere Mindestlöhne. Und die Rechtslage ist klar: Wo der staatliche Mindestlohn über dem Bundessatz liegt, wird er für die Taschengeldsberechnung herangezogen.
Das ist keine neue Regel — aber es wird strenger durchgesetzt, und viele Familien haben ihr Taschengeld seit der letzten Mindestlohnerhöhung ihres Bundesstaats nicht angepasst.
| Bundesstaat | Mindestlohn | Mindest-Taschengeld |
|---|---|---|
| Texas, Georgia, Indiana (Bundessatz) | $7,25/Std. | $195,75/Woche |
| Illinois | $14,00/Std. | ca. $256/Woche |
| New York | $16,00/Std. | ca. $291/Woche |
| Washington | $16,28/Std. | ca. $296/Woche |
| Kalifornien | $16,50/Std. | ca. $300/Woche |
| Colorado | $14,42/Std. | ca. $262/Woche |
Ungefähre Werte auf Basis des 0,4054-Faktors. Bestätige die genauen Beträge mit deiner Agentur oder dem State Department.
Das Risiko für Gastfamilien: Ein Taschengeld unterhalb des geltenden Mindestlohns — selbst wenn beide Seiten einverstanden sind — ist eine Pflichtverletzung. Au-pairs können ihre Rechte nicht per Vertrag aufgeben, und entsprechende Klauseln sind rechtlich nicht durchsetzbar.
Wenn du in Kalifornien, New York oder einem anderen Hochlohnstaat wohnst und dein Taschengeld seit der letzten Erhöhung nicht angepasst hast, solltest du das jetzt nachholen.
Merkpunkt: Der Richtwert von $195,75 gilt nur dort, wo der staatliche Mindestlohn auf dem Bundesniveau liegt. In vielen Bundesstaaten ist die Untergrenze deutlich höher — und rückwirkende Korrekturen sind unangenehm.
3. Geplante Stundenobergrenze und Überstundenregelung
Das ist die Änderung, die im Moment am meisten Verwirrung stiftet — weil sie noch nicht in Kraft ist, aber sehr wahrscheinlich bald kommt.
Das State Department arbeitet seit 2023 an einer Neuregelung, die folgendes vorsieht:
- Senkung der maximalen Wochenstunden von
45 Stundenauf40 Stunden - Überstundenvergütung für jede Stunde über 40 (1,5-facher Satz)
- Engere Anbindung des Taschengelds an staatliche Mindestlohnstandards
- Stärkere Bildungsanforderungen, einschließlich Kostenbeiträgen der Gastfamilie
Stand April 2026 ist die Regelung noch nicht final. Das aktuelle Programm erlaubt weiterhin 45 Stunden/Woche und 10 Stunden/Tag. Aber eine Finalisierung noch 2026 gilt als wahrscheinlich — und sie könnte mitten in einem laufenden Programmjahr in Kraft treten.
Was du jetzt tun kannst, bevor die Regelung kommt
Plane deine Wochenstunden mit 40 Stunden als Basisannahme. Wenn du regelmäßig alle 45 erlaubten Stunden nutzt, kalkuliere eine finanzielle Reserve für mögliche Überstundenvergütungen ein.
Für Familien, die sich gerade im Matching befinden: Lass deine Agentur prüfen, ob ihre aktuellen Vertragsvorlagen die vorgeschlagene Änderung bereits berücksichtigen. Einige Agenturen haben ihre Muster schon angepasst.
Wichtig im Blick behalten: Wenn du Mitte 2026 nach "J-1 Überstundenregel" suchst, könnte die Regelung bereits in Kraft sein. Halte die Compliance-Updates deiner Agentur im Auge.
4. Bildungsanforderungen: jetzt stärker kontrolliert
Das Thema bekommt weniger Aufmerksamkeit als Taschengeld und Stunden — aber es ist wichtig.
Au-pairs mit J-1-Visum müssen pro Programmjahr mindestens 6 Semesterstunden akademische Kurse absolvieren. Gastfamilien sind verpflichtet, das zu unterstützen: Studiengebühren bis zu $500 pro Programmjahr zu übernehmen und einen Stundenplan zu ermöglichen, der Kursbesuche zulässt.
Was sich ändert: Agenturen werden jetzt strenger kontrolliert, ob sie diese Anforderungen dokumentieren — und sie geben diese Verantwortung an Gastfamilien weiter. Wenn dein Stundenplan keine realistischen Zeitfenster für Kurse lässt, kann das als Pflichtverletzung gewertet werden.
Praktischer Check: Hat dein aktueller Wochenplan regelmäßige Zeitfenster für Sprachkurse oder Community-College-Kurse? Im Sommer, wenn die Stunden ohnehin steigen, wird das noch wichtiger.
Was du jetzt konkret tun solltest
Wenn du dich gerade im Matching befindest
- Budget neu berechnen — Visa Integrity Fee, korrektes Taschengeld für deinen Bundesstaat, und eine Reserve für mögliche Überstunden
- Aktuelle Vertragsvorlagen von deiner Agentur anfordern — Verträge vor Mitte 2025 können veraltete Angaben enthalten
- Mindestlohn deines Bundesstaates prüfen und entsprechende Taschengeldsuntergrenze ermitteln
- Stundenpläne auf Basis von 40 Stunden planen — auch wenn 45 noch offiziell erlaubt sind
- Bildungszeitfenster im Stundenplan sichern — explizit, schriftlich, nicht nur als Absicht
Wenn du bereits eine Gastfamilie bist
- Aktuellen Wochenplan überprüfen — driftest du regelmäßig über
45 Stunden/Woche? Liegt du unter10 Stunden/Tag? - Taschengeld prüfen — gilt noch der Satz, den du vor einem Jahr vereinbart hast? Oder hat sich der Mindestlohn in deinem Staat erhöht?
- Stunden dokumentieren — konsistent und nachvollziehbar; wenn die Überstundenregel kommt, brauchst du Aufzeichnungen
- Bildungsfortschritt deines Au-pairs im Blick haben — liegt er oder sie auf Kurs für 6 Credits?
Für alle
- Compliance-Updates deiner Agentur lesen — nicht nur den Betreff überfliegen
- Wöchentliche Gespräche nutzen, um Stundenplanung und eventuelle Änderungen gemeinsam zu besprechen
Die häufigsten Irrtümer bei der Compliance
„Meine Agentur kümmert sich darum"
Deine Agentur ist verpflichtet, dich über wesentliche Programmänderungen zu informieren — und die meisten tun das. Aber Timing und Format sind nicht immer ideal. Die Visa Integrity Fee tauchte in vielen Agenturschreiben erst Monate nach ihrer Einführung auf, versteckt in Kostentabellen-Updates.
Behandle die Kommunikation deiner Agentur als Mindest-Standard — nicht als vollständige Absicherung.
„Wir haben eine andere Vereinbarung getroffen"
Gastfamilien und Au-pairs können Programmvorschriften nicht vertraglich aushebeln. Ein vereinbartes Taschengeld unter dem geltenden Mindestlohn ist nicht durchsetzbar. Eine Wochenarbeitszeit von 50 Stunden, auch wenn dein Au-pair „einverstanden" ist, schützt dich nicht vor einer Pflichtverletzung.
Das ist vor allem im Rematching-Fall relevant: Wenn ein Au-pair Programmbeschwerden einreicht — was selten, aber nicht ungewöhnlich ist —, ist eine klar dokumentierte, regelkonforme Vereinbarung dein wichtigster Schutz. Ein Blick in unseren Rematch-Ratgeber zeigt, wie man auch schwierige Situationen strukturiert angeht.
„Wir machen das irgendwie locker"
Familien, die eine gute Beziehung zu ihrem Au-pair haben, verlassen sich oft auf gegenseitiges Vertrauen statt auf Dokumentation. Das Vertrauen ist real und wertvoll — aber es ist kein Ersatz für Aufzeichnungen.
Wenn deine Agentur eine Jahresüberprüfung macht oder ein Konflikt entsteht, möchte sie Belege sehen: protokollierte Stunden, markierte Freitage, nachgewiesene Taschengeldüberweisungen. Informelle Vereinbarungen, die in der Praxis funktioniert haben, können auf dem Papier wie Verstöße aussehen.
Das AuPairSync-Kalender-Feature protokolliert, wer wann im Dienst ist — nützlich für die tägliche Koordination, aber auch genau das, was ein Agentur-Reviewer sehen will.
Merkpunkt: „Wir hatten eine gute Vereinbarung" ist kein Compliance-Argument. Dokumentation ist es. Die Gewohnheit, die dich in einem Streit schützt, ist dieselbe, die auch den Alltag einfacher macht.
Warum diese Änderungen letztlich gut für dich sind
Die 2025–2026-Änderungen am J-1-Programm sind kein bürokratisches Rauschen. Sie spiegeln etwas Grundlegenderes: das Programm holt auf, wie Au-pair-Arrangements in der Realität 2026 aussehen.
Jahrzehntelang haben Au-pairs eine rechtliche Grauzone bewohnt — weder klassische Arbeitnehmer noch Familienmitglieder, geschützt durch ein Programmrahmen, der sich seit 1989 kaum verändert hatte. Die jetzt anstehenden Änderungen — höhere Taschengelder, Überstundenschwellen, Dokumentationspflichten — holen das nach. Das ist gut für Au-pairs, die endlich mehr Klarheit bekommen. Und es ist gut für Gastfamilien, die von einem klaren Rahmen profitieren statt von Grauzonen, die Risiken schaffen.
Für die meisten Familien, die ihr Programm sauber führen, ist der praktische Aufwand überschaubar: etwas mehr Budget, eine konsequentere Dokumentationsgewohnheit, ein Gespräch mit der Agentur. Das ist machbar.
Was nicht machbar ist: die Änderungen erst dann zu entdecken, wenn ein Konflikt dazu zwingt. Schau jetzt rein, solange Zeit ist, um anzupassen.
Ein gut strukturiertes Au-pair-Jahr beginnt schon vor der Ankunft. Unser Leitfaden für die erste Woche zeigt, wie man Routinen, Absprachen und Kommunikationsgewohnheiten so aufbaut, dass Compliance kein Extra-Aufwand ist, sondern das natürliche Ergebnis einer guten Beziehung.
Compliance muss keine zusätzliche Arbeit bedeuten. Lade AuPairSync herunter, um Stunden zu protokollieren, Urlaub zu planen und euren Stundenplan übersichtlich zu halten — damit du im Zweifelsfall immer gut dokumentiert bist.
